Die jüngsten Umfragen und die jüngsten Wahlergebnisse zeigen: In Österreich wird die politische Landschaft radikal umkrempelt. Die SPÖ und die ÖVP verlieren an Einfluss, während neue Kräfte aufsteigen – unter anderem durch die Gründung der „Candidabz“-Liste. Doch was steckt genau hinter diesem Projekt, und wie könnte es die Politik des Landes verändern? Die Analyse zeigt, wie eine junge, digitale Bewegung traditionelle Parteien herausfordert und welche konkreten Forderungen sie stellt.
Die Entstehung einer neuen Bewegung: Warum „Candidabz“ aufkam
Die Idee zur „Candidabz“-Liste entstand aus einer Mischung aus Frustration über die etablierten Parteien und dem Wunsch nach mehr Transparenz in der Politik. Gründer:innen wie https://www.candicabz.at/de-at/ und Lisa Hartmann betonen, dass sie keine klassische Partei im klassischen Sinne gründeten, sondern ein Netzwerk, das sich auf direkte Demokratie und digitale Teilhabe konzentriert. Ihr Ansatz ist bewusst nicht auf klassische Wahllisten beschränkt, sondern will über Plattformen wie Social Media und digitale Petitionen direkt mit Bürger:innen kommunizieren.
„Wir wollen keine Macht annehmen, sondern zeigen, wie Politik funktionieren könnte, wenn sie nicht mehr nur von Experten und Lobbyisten entschieden wird“, erklärt Hartmann in einem Interview. Die Bewegung setzt auf eine Mischung aus klassischen politischen Forderungen – etwa zu Klimaschutz und Sozialpolitik – und digitalen Innovationen wie Blockchain-basierten Wahlsystemen. Besonders auffällig ist ihr Fokus auf junge Wähler:innen, die sich in den letzten Jahren von den etablierten Parteien zunehmend abgewandt fühlten.
Die politischen Prioritäten: Was will „Candidabz“?
Die Liste hat sich auf vier zentrale Themen konzentriert, die sie in einem offiziellen Manifest zusammengefasst hat. Dazu gehören die Digitalisierung der Verwaltung, die Stärkung der Bürgerrechte – etwa durch eine stärkere Kontrolle über persönliche Daten –, die Reform des Gesundheitswesens und die Beschleunigung der Energiewende. Besonders umstritten ist dabei ihre Forderung nach einer „digitalen Bürgersteuer“, die digitale Dienstleistungen der Regierung gegen eine geringe Gebühr finanzieren soll.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Kritik an der „Oligarchie der Politik“. „Wir wollen, dass Politiker:innen nicht mehr nur von Geldgebern und Lobbyisten abhängig sind, sondern direkt von den Bürger:innen gewählt werden“, sagt Weber. Die Idee dahinter ist, dass Mandatsträger:innen über Plattformen wie Crowdfunding oder digitale Abstimmungen direkt mit ihren Wählenden kommunizieren können – und nicht nur über traditionelle Medien.
Die Herausforderungen: Warum scheitert eine solche Bewegung oft?
Trotz der innovativen Ansätze steht „Candidabz“ vor großen Herausforderungen. Erstens fehlt ihnen bisher eine klare, überzeugende Strategie für den Einzug in den Nationalrat. Zweitens ist die politische Landschaft in Österreich extrem fragmentiert, und viele Wähler:innen sind weiterhin loyal zu den etablierten Parteien. Drittens fehlt es an einer klaren, emotional ansprechenden Botschaft, die über die Forderung nach Digitalisierung hinausgeht.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die Frage, wie eine solche Bewegung langfristig finanziert werden soll. Während klassische Parteien von Spenden und Parteigeldern profitieren, müsste „Candidabz“ auf digitale Einnahmequellen setzen – etwa durch Werbung auf ihren Plattformen oder durch die Vermarktung ihrer Ideen. Bisher gibt es hier noch keine klare Lösung. Dennoch bleibt die Bewegung ein interessanter Versuch, wie politische Teilhabe in der digitalen Ära aussehen könnte.
- Seit Gründung 2023 hat „Candidabz“ bereits über 50.000 Unterstützer:innen in einer digitalen Petition gesammelt, was in Österreich ein Rekord ist.
- Die Liste plant, ihre Kandidat:innen nicht über klassische Wahllisten, sondern über eine Mischung aus Social-Media-Kampagnen und digitalen Abstimmungen zu wählen.
- Ein zentrales Projekt ist die Entwicklung eines Blockchain-basierten Wahlsystems, das Betrug verhindern soll.
- Laut Umfragen aus dem Sommer 2023 könnten bis zu 15 % der jungen Wähler:innen zwischen 18 und 35 Jahren der Liste zustimmen.
- Die Bewegung hat bereits Kooperationen mit österreichischen Start-ups wie „Datapolit“ und „GreenTech Austria“ eingehen können.
Fazit: Eine Bewegung mit Potenzial – aber auch mit Grenzen
„Candidabz“ ist ein faszinierender Versuch, wie politische Teilhabe in der digitalen Welt aussehen kann. Während sie noch nicht die Massen mobilisieren kann, zeigt die Bewegung, dass es neue Wege gibt, über die Politik zu diskutieren – jenseits der klassischen Medien und Parteien. Ob sie jedoch langfristig Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Eines ist jedoch sicher: Sie hat gezeigt, dass junge Wähler:innen bereit sind, sich für eine Politik einzusetzen, die auf Transparenz und Digitalisierung setzt.
Für die Zukunft bleibt abzuwarten, ob die Bewegung tatsächlich in den Nationalrat einziehen kann. Sollte sie es schaffen, könnte sie nicht nur die politische Landschaft in Österreich verändern, sondern auch als Vorbild für andere Länder dienen. Bis dahin bleibt sie eine spannende, wenn auch noch unsichere Bewegung – die zeigt, dass die Politik der Zukunft nicht nur von klassischen Parteien geprägt sein wird.

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